Übersicht | FAQ Informationsrecherche | aktuelle Studien | Top-10 Portalranking | kritisch hinterfragt 

Auf der Suche nach guten Gesundheitsinformationen?

Dieser Artikel stellt eine Aktualisierung und Spezifzierung der Veröffentlichung 'Wie und wo findet man gute, verlässliche Gesundheitsinformationen im Netz?' (Michael Hägele, Christian Leopold) dar, die Anfang 2006 im Telemedizinführer publiziert wurde.

Teil 1: Einführung / Motivation der Informationsanbieter
Teil 2: Informationssuche mit Suchmaschinen und Katalogen
Teil 3: Nützliche Werkzeuge, Vorgehensweisen
Teil 4: Themenspezifischer Einstieg
Teil 5: Medizinische Literatur - Medline & Cochrane

Gesundheitsinformationen im Web gibt es viele. Die meisten davon sind auch sehr leicht zu finden. Einfach das Suchfeld des Browsers nutzen, gesuchten Begriff wie z.B. "Erkältung" eintippen und meist landet man dann bei der Suchmaschine Google, deren Marktanteil in Deutschland bei ca. 85% liegt.

Gerade bei einem so wichtigen Thema wie der (eigenen) Gesundheit ist es ratsam sich während der Recherche ein paar hintergründige Gedanken über die Ziele und Motivationen von Gesundheits­informationsanbietern zu machen, um nicht 'falschen' und im schlimmsten Falle 'ungesunden' Informationen aufzusitzen.

Vor diesem Hintergrund sollte man sich stets vor Augen führen, welche Anbietergruppen mit welchen Interessen bzw. Interessenskonflikten Gesundheitsinformationen im Web verbreiten.

  • Pharmazeutische Industrie: Die Firmen sind gewinnorientierte Unternehmen, die vor allem die Steigerung ihres Umsatzes im Blick haben und auch haben müssen. Denn nicht zuletzt sind Forschung und Arzneimittelzulassung teuer und müssen refinanziert werden. Sie legen den Schwerpunkt bei webbasierten Gesundheitsinformationen auf ansprechender Präsentation, guter Verständlichkeit und hoher Auffindbarkeit über Suchmaschinen. Letztlich haben Sie aber auch bei neutralster Aufmachung stets ihr eigenes Produktportfolio im Hinterkopf, dessen Umsatz und/oder öffentliche Wahrnehmung gesteigert werden soll. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass kritische Untertöne zur Anwendung des Produktes (wie Häufigkeit und Stärke der Nebenwirkungen) oder mangelnde Wirksamkeit im direkten Vergleich mit Produkten anderer Firmen oder Behandlungsmethoden fehlen oder stark abgeschwächt werden.
    Manchmal geht es sogar soweit, dass Websites nur deshalb erstellt werden, um Krankheitsbilder oder Probleme darzustellen, deren Lösung meist in irgendeiner Weise ein Produkt der Firma beinhaltet. Prominente Beispiele wie Osteoporose oder ADHS werden in dem Buch von Jörg Blech: Die Krankheitserfinder (http://www.amazon.de/Die-Krankheitserfinder-Patienten-gemacht-werden/dp/310004410X) beschrieben. Problemen, die schon immer existierten, wird hier ein griffiger Name verpaßt und als Krankheitsbild definiert, für das es eine einfache Lösung gibt: Die Anwendung eines käuflich erwerbbaren Produkts.

  • Das gleiche absatzsteigernde Ziel (s.o.) ist auch bei anderen 'Playern im Gesundheitswesen' wiederzufinden, wie beispielsweise der Medizingeräte Industrie. Hier werden Geräte und Diagnostikprodukte ins "rechte" Licht gerückt.

  • Gesundheitsportale: Verkauf von Produkten (wenn Sie einen eigenen Shop betreiben), wie z.B. Nahrungsergänzungsmittel, evtl. auch mit Partnern.
    Veröffentlichung von "Fremd"-Texten, die von der pharmazeutischen oder gerätetechnischen Industrie erarbeitet, geschrieben oder in Auftrag gegeben wurden und bewußt gefärbte Informationen in einem sogenannten neutralen gesundheitlichen Umfeld (sprich einem Gesundheitsportal, welches laut Impressum nichts mit der pharmazeutischen oder gerätetechnischen Industrie zu tun hat) als redaktionelle Patienteninformation verbreitet wird. Stichwort: nicht als Werbung kenntlich gemachte Content Integration (CI).

  • Krankenkassen: Nichterwähnung von Behandlungs- oder diagnostischen Methoden, die zwar im individuellen Fall einem Patienten helfen können, aber bei zu hoher Verbreitung/Inanspruchnahme/Bekanntheit viel Geld verschlingen könnten, das dann an anderer Stelle wieder fehlt.

  • Ärzte: Steigerung der Nachfrage nach diagnostischen Leistungen. Ärzte werden/wurden hauptsächlich für die Erbringung von Maßnahmen mit Geräten wie Röntgen, Ultraschall, Labor usw. bezahlt und verdienen mehr, wenn sie mehr davon erbringen. Mit dem neuen EBM wurden deshalb mehr Pauschalen eingeführt. Nachfragesteigerung nach außerbudgetären Leistungen (insbesondere z.B. IGeL (individuellen Gesundheitsleistungen).

  • Krankenhäuser: Haben je nach Krankheitsbild ein Interesse daran, Patienten zu gewinnen, im Krankenhaus zu halten oder bei bestimmten Krankheitsbildern möglichst schnell wieder in die ambulante oder Reha-Versorgung zu entlassen. Krankenhäuser die sich auf bestimmte Behandlungsmethoden spezialisiert haben versuchen teilweise massiv, Patienten indikationsbezogen von sich zu überzeugen (nicht immer muss die angewandte Methode hierbei die Methode der Wahl für alle Patienten darstellen).

  • Medizinische Berufe wie Heilpraktiker, Ernährungsberater, Physiotherapeuten: Steigerung Ihres Umsatzes durch 'Heilungsversprechen', die wissenschaftlich nicht erwiesen sind, aber dazu führen, dass sich Patienten für diesen Heilberufler oder Berater entscheiden. Eine Folge des Wettbewerbs bei den Nichtärztlichen Heilberufen, zunehmend aber auch bei Ärzten.

Um in den Ergebnislisten der Suchmaschinen (v.a. bei Google) weit oben zu stehen, greifen einzelne Anbieter richtig tief in die Tasche. Sie beschäftigen Mitarbeiter oder engagieren Agenturen, deren Aufgabe ausschließlich darin besteht mit diversen Search-Engine-Optimization (SEO) Maßnahmen, häufig gesuchte Stichwörter (Keywords) in den Suchergebnislisten möglichst weit nach vorne zu bringen. Dieses Suchmaschinenmarketing ist also eine gewollte Beeinflussung, Manipulation wenn Sie so wollen, der Reihenfolge der Suchergebnistreffer und spiegelt demnach nicht die wirkliche Relevanz der Inhalte zur Suchanfrage wieder. Das diese Inhalteanbieter den dafür notwenigen personellen und finanziellen Aufwand nicht nur aus reiner Nächstenliebe erbringen, sollte jedem halbwegs medienkompetenten Nutzer klar sein. Manche Anbieter, wie Universitäten oder gemeinnützige Organisationen, kümmern sich kaum um solche SEO Marketing-Tätigkeiten und werden deshalb auch sehr viel schlechter mit Suchmaschinen gefunden.

weiter zu Teil 2: Informationssuche mit Suchmaschinen und Katalogen


Seite erstellt am: 17.09.2009 16:06:00, zuletzt geändert am: 18.11.2009 11:25:00
Redaktion der Seite: Michael Hägele, Christian Leopold

Pflichtangaben/Impressum

Sie haben Anmerkungen oder Fragen?

Dann Schreiben Sie uns, Iconmed Köln ... powered by CMSconnect